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Sprechzeiten

Jonas Urbach

OT Bickenriede,
Hauptstr. 55

zu den Sprechzeiten der Gemeindeverwaltung

Einwohner: 1.460 Stand 31.12.2015

Ortsteilbürgermeister: Jonas Urbach

Zur Geschichte von Bickenriede
Bickenriede wurde zum ersten mal urkundlich erwähnt am 12. 08. 1146.
An diesem Tag bestätigte Erzbischof Heinrich I. von Mainz dem Erfurter Peterskloster 1 Mühle und 8 Hufen mit ebensoviel Hofstätten und 2 Wäldchen zu Bichenrid als Geschenk von den Brüdern Folrad und Flartog von Kirchberg.
Der Dorfname lautet hier „Bichenrid“. Dieser änderte sich im Laufe der Zeit bis zum heutigen Bickenriede. Der Dorfname - Bickenriede - wird verschieden erklärt. Die wahrscheinlichste Erklärung ist wohl in der Ableitung von dem urkundlichen Wort „Bichenrid“ zu sehen. Der Name könnte hiernach von „Buchenried“ herrühren und bedeutet somit eine sumpfige Niederung, die mit Buchen bewachsen ist.
Der Vollständigkeit halber sollen hier auch die anderen Erklärungen des Dorfnamens genannt werden:

  • Bickenriede sei eine Niederlassung eines Siedlers Bicko im Ried
  • Ableitung von Roden, und damit als Rodung von einem Bicko verstanden
  • jene Erklärung, die Bick - Pick - Berg auffasst und somit den Ortsnamen als Berg an einer Rodung deutet.


In Abhängigkeit der unterschiedlichen Deutung des Dorfnamens Bickenriede ist auch die Gründungszeit des Dorfes verschiedenen Epochen zuzuordnen.
Ist der Name von der Endung „riede“ aus Ried = Sumpf abzuleiten, liegt die Gründungszeit in der 1. Siedlungsperiode, das heißt dem 4. -5. Jahrhundert. Zur 3. Siedlungsperiode, also die Zeit nach dem 8. Jahrhundert, gehört die Gründung des Ortes Bickenriede, wenn die Endung „riede“ als mundartliche Änderung von „rode“ (Rodung eines Bicko) - wie alle Rodedörfer - zu erklären wäre.


Das Dorf unter Mainzer und Anröder Herrschaft (1294 - 1802/10)
Bis 1294 waren die Grafen von Gleichenstein die Herren über Bickenriede. Ihnen gehörten die Schlösser Gleichenstein, Scharfenstein und Birkenstein mit deren Bezirken. Ursprünglich wurde dieses Gebiet nur Eichsfeld genannt und erstreckte sich von Ammern und Lengefeld bis Heiligenstadt.
Die Grafen von Gleichenstein unterstanden, wie auch die anderen 11 thüringischen Grafen, den jeweiligen Landgrafen von Thüringen, die zu verschiedenen Zeiten Güter an Häusern und Land in Bickenriede an mehrere Adelsgeschlechter und Klöster verliehen, so z. B.

  • die Grafen von Gleichen und Tonna
  • die Ritter Kämmerer von Mühlhausen, von Almenhauen und von Straußberg, von Dankelsdorf, von Stein, von Rost, von Grabe
  • sowie die Stifte St. Nicolai in Eisenach, St. Martini in Heiligenstadt, St. Bonifatii in Burschla


Am 15. November 1294 verkauften die Grafen von Gleichen infolge hoher Verschuldung das Eichsfeld an das Erzstift Mainz.
Bis 1802 unterstand Bickenriede kirchlich und politisch dem Mainzer Kirchenfürsten mit einem Rad als Wappen. Neuer Grundherr der Gemarkung Bickenriede wurde das 1268 gegründete Zisterzienserinnenkloster Anrode. Dieses Nonnenkloster erwarb 1356 durch Schenkung, Kauf und Tausch mit den ehemaligen adligen Besitzern Bickenriede mit seinen Häusern, Ackern und Gerechtsamen. Nur das Heiligenstädter Martinsstift und das Kloster Zella hatten weiterhin gewisse Zins- und Lehnsrechte in Bickenriede.
Des weiteren beließ das Kloster Anrode eine Hufe und ein Haus sowie das Backhaus in Bickenriede der hiesigen Dorfkirche, damit die Kultuskosten gedeckt werden konnten.
Im Jahre 1344 bekam Anrode die niedere oder Zivilgerichtsbarkeit über das Dorf. Die hohe oder Kriminalgerichtsbarkeit behielt sich Mainz vor. Im Jahre 1346 erlangte das Kloster Anrode vom Heiligenstädter Martinsstift das Patronatsrecht über die Pfarrkirche von Bickenriede. Bis zur Klosteraufhebung im Jahr 1810 herrschte das Kloster über Bickenriede. Durch das Kloster Anrode erfolgte die erste urkundlich erwähnte Separation in Bickenriede im Jahre 1359. Die Flur wurde aufgeteilt in 24 Bauernhöfe, die an die besser gestellten Familien in Bickenriede vergeben wurden. Alle übrigen Familien waren, abgesehen von ihren Häusern, ohne Grundbesitz und mussten in den Dienst des Klosters oder der Bauernhöfe treten bzw. als Handwerker ein ärmliches Dasein führen.
Auch der Bauernkrieg hinterließ seine Spuren. Da Bickenrieder Bauern am 28.04.1525 das Kloster ausraubten und bis auf die Grundmauern niederbrannten, hatte Bickenriede die Folgen zu tragen. Noch ein Jahrhundert lang mussten die Bauern in harter Fron wieder aufbauen, was an einem Tag vernichtet wurde.
Aber auch von Seuchen und Hungersnöten ausgelöst durch die vielen Missernten jener Zeit, blieb Bickenriede nicht verschont.

Besondere Unglücksjahre im 19. Jahrhundert waren:

Größte Missernten:
1816/1817
1818
1829
1847
1893
1896

Krankheiten und Seuchen:
1832 - Cholera
1833 - Pocken
1837 - Hungertyphus
1850 - Cholera
1863 - Stickhusten
1873 - Halsbräune
1877 - Halsbräune, Masern, Scharlach
1884 - Masern
1892 - Masern und Halsbräune

Im Laufe der Jahrhunderte zwang die wirtschaftliche Lage die Bewohner von Bickenriede immer wieder zum Verlassen ihrer Heimat.
So wanderten nach dem 30-jährigen Krieg viele Bickenrieder ins Rheinland, wo sie in den verödeten Weinbergen arbeiteten und ins Mühlhäuser Gebiet, wo sie als Knechte statt der fehlenden Pferde vor den Pflug gespannt wurden. In den Jahren 1836 bis 1888 verließen viele Bickenrieder ihr Heimatdorf. Sie wanderten in die Vereinigten Staaten von Nordamerika aus. Hauptgrund der Auswanderung war die enorme Bevölkerungszunahme.

Bevölkerungsentwicklung: Jahr - Einwohner
1675 - 319
1727 - 605
1787 - 774
1819 - 930
1840 - 1125

Der Niedergang der Heimatindustrie nach 1790 trug wesentlich zur Verschlechterung der Lebenssituation bei. Die heimische Landwirtschaft war nicht mehr in der Lage, die Einwohner ausreichend zu ernähren. Nachweislich sind so in den Jahren von 1836 - 1888 mit Genehmigung 254 Personen nach Amerika ausgewandert, wobei angenommen werden muss, dass noch ein Drittel mehr ohne Konsens ausgewandert ist.

entnommen der Festschrift: "850 Jahre Bickenriede"